Das 1 x 1 der nonverbalen Kommunikation

Verbale Kommunikation ist ohne nonverbale Kommunikation nicht möglich

Für viele Menschen ist die Vorstellung, sein Gegenüber in einer bestimmten Situation richtig einschätzen zu können, ein absoluter Wunschtraum. Unzählige Studien über nonverbale Kommunikation sind ein Indiz für das große Interesse an der Wirkung und Interpretation menschlicher Ausdrucksformen. Der Wunsch, andere Menschen besser verstehen zu können und selbst wirkungsvoll kommunizieren zu können, ist daher das Ziel von vielen Menschen.

Leider sieht die Realität etwas anders aus. Keine Studie dieser Welt konnte bisher einen direkten Zusammenhang zwischen der nonverbalen Kommunikation und der Gedanken- und Gefühlswelt von Versuchspersonen herstellen. Wer dennoch in der Lage ist, passende Rückschlüsse etwa der Kopfhaltung, der Gestik oder der Kleidung über die Gedankenwelt der entsprechenden Person zu ziehen, der kann sich getrost als Hellseher oder Gedankenleser bezeichnen.

Doch die schwierige Interpretationssituation bedeutet nicht, dass die nonverbale Kommunikation vernachlässigt werden kann. Stattdessen ist sie neben der verbalen Kommunikation, der Verständigung mit Worten, ein wertvoller Indikator zum besseren Verstehen des Gegenübers und ein effektives Werkzeug, um die eigene Kommunikationsbotschaft deutlicher zu gestalten.

Nonverbale Kommunikation – was ist das?

Die Kommunikation zwischen Menschen, zwischen Tieren oder zwischen Mensch und Tier ist nichts anderes, als die „Verständigung untereinander“. Egal, was wir gerade machen, alles ist Kommunikation – ob es sich um die Verständigung mit uns selbst oder mit anderen handelt. Ob wir uns ganz allein in unserer Wohnung befinden, ob wir mit Freunden zusammen sind oder ob es sich um einen Vortrag vor hunderten von Zuhörern handelt, wir können nicht nicht kommunizieren – wir kommunizieren immer und jederzeit.

Das Wichtigste ist die Kommunikation mit uns selbst. Die Selbstkommunikation ist der Anfang aller menschlichen Handlungen. Sie kann in Form von „internen“ Dialogen, mit Hilfe von Glaubenssätzen oder durch Autosuggestion erfolgen.

Um zu verdeutlichen, wie Selbstkommunikation funktioniert und dass sie allgegenwärtig ist, versuchen Sie einmal für eine Minute an nichts zu denken. Die Tatsache, dass es nicht möglich ist, an nichts zu denken, verdeutlicht die permanente Wirkung der internen Kommunikation.

Kommunikation kann in zwei Kategorien eingeordnet werden. In verbale Kommunikation – Verständigung mit Worten – und nonverbale Kommunikation – Verständigung ohne Worte. Zur nonverbalen Kommunikation zählen auch die paraverbalen Elemente. Wichtige nonverbale Kommunikationsfaktoren sind Kleidung, Frisur, Hautfarbe, Mimik, Gestik, Augenbewegungen, Körperhaltung, Bewegungsdynamik, Geruch, materielles Umfeld, wie Schmuck oder die Uhr am Handgelenk.

Paraverbale Kommunikation ist gekennzeichnet durch Ausdruckskomponenten wie Lautstärke, Sprechgeschwindigkeit, Sprechrhythmus und Sprachmelodie sowie beispielsweise Lachen, Weinen, absichtliches Husten und Gähnen.

In Zeiten der zunehmenden Anonymisierung und Digitalisierung gewinnt die Frage nach der richtigen Art, sich nonverbal auszudrücken, stark an Bedeutung. Das Wissen um die Wichtigkeit der nonverbalen Kommunikation allein macht noch keinen Profi im Deuten von Gedanken und Verhaltensweisen aus.

Die detaillierte Analyse dieses komplexen Feldes durch Kommunikations-wissenschaftler auf der ganzen Welt lässt allerdings keine Zweifel aufkommen, dass eine effektive und zielführende nonverbale Kommunikation erlernbar ist. Es steht ebenfalls außer Zweifel, dass gewisse nonverbale Zeichen anderer Menschen im sozialen Kontext Ausdruck für tatsächliche Denkmuster und Verhaltensweisen sein können.

Doch hier ist Vorsicht geboten, da eine Generalisierung durch individuelle Denkmuster eines Jeden keine einheitliche Prognose zulässt.
Es gibt zwei grundsätzliche Regeln in der Kommunikation zwischen uns, die einiges verdeutlichen:

Kommunikationsregel 1: Es ist nicht möglich, nicht zu kommunizieren
In der Gegenwart eines anderen Menschen hat jedes Verhalten eine bestimmte kommunikative Bedeutung. Wir kommunizieren auch dann, wenn wir nichts sagen, weil wir körpersprachliche Signale an andere vermitteln.

Befinden wir uns zum Beispiel mit drei fremden Personen im Fahrstuhl, wenden wir automatisch bestimmte Verhaltensweisen an: Wir schauen auf den Boden, an die Wand oder lesen uns eine Werbebotschaft auf einem Plakat so oft durch, bis unsere gewünschte Etage erreicht ist.

Ein zweites Beispiel: Wir treffen zufällig auf der Straße einen guten Freund. In diesem Fall wird unsere Körpersprache Offenheit und Nähe demonstrieren. Auch wenn die Mehrzahl der vorbeieilenden Passanten diesem Geschehen keine Beachtung schenkt, so können aufmerksame Beobachter dennoch registrieren, dass sich hier zwei Personen unterhalten, die sich mögen.

Kommunikationsregel 2: Jede Kommunikation hat ein Thema, die Kommunikatoren haben eine Beziehung

In jeder Kommunikation spielen sowohl Inhalts- als auch Beziehungsaspekte eine Rolle. Lange Zeit ging man davon aus, dass Kommunikation primär der Vermittlung von Informationen dient. Die Gesprächsinhalte galten als das wichtigste Kernstück jeder Kommunikation.
In jeder Kommunikation treten mindestens zwei Aspekte auf: Inhalt und Beziehung. In einem Gespräch geht es nie ausschließlich um den Inhalt, die Sachthemen. Oft unbemerkt, aber stets unvermeidlich spielt in jedem Kommunikationsprozess die Beziehung zwischen den Gesprächspartnern eine wichtige Rolle. Wer mit anderen kommuniziert, definiert zugleich auch eine Beziehung zu dieser Person.

Selbstreflexion und die Wirkung auf Andere

Die visuelle Wahrnehmung beeinflusst unsere Meinung über andere Personen schon, bevor wir uns durch Zuhören einen Eindruck über unseren Gesprächspartner machen können.
Es gibt keine zweite Chance für einen ersten Eindruck! Ist dieser erste Eindruck ansprechend genug, um ein Gespräch zu beginnen, kommen verbale Elemente hinzu. Verbale Kommunikation ist nicht ohne nonverbale Elemente möglich.

Ob die Argumentation zum Beispiel bei einer Präsentation als glaubwürdig, seriös und fesselnd erachtet wird, hängt weitgehend vom nonverbalen Verhalten ab. Während verbale Aussagen leicht manipulierbar sind, ist es oft nur dem geübten Schauspieler möglich, auch den körperlichen Ausdruck adäquat anzupassen.

Nonverbale Zeichen sind spontaner und häufig unbewusst. Bricht man in einer Präsentation den Blickkontakt mit seinen Zuhörern abrupt ab, während man sich leicht zurück bewegt, dann könnte das vom Publikum als Zeichen für eine Falschaussage gewertet werden.

Die Interpretation ist lediglich die gefühlte Wahrnehmung. Sie kann stimmen, aber sie kann andererseits auch Unrecht tun. Dennoch heißt das Zauberwort, nicht nur im Geschäftsleben: Authentizität, also echt und natürlich aufzutreten. Für den Werber gehört es zum Grundwissen, gängige sozial bewährte und gesellschaftlich verankerte Klischeevorstellungen zum Ausdruck von Seriosität, Kompetenz, Ehrlichkeit und Sympathie zu verinnerlichen und zu trainieren.

Solche Verhaltensweisen können, ähnlich wie in der Schauspielerei trainiert werden. Sie dienen dazu, Aussagen mehr Gewicht und Integrität zu verleihen. Zu den typischen erwarteten nonverbalen Verhaltensweisen für Vortragsredner zählen zum Beispiel der Blickkontakt, das bestätigende Nicken beim Zuhören, das Lächeln als Ausdruck von Sympathie sowie ein gepflegtes Auftreten und branchentypische Kleidung.

Vertrauen schaffen
Menschen fühlen sich von Menschen angezogen, die Ihnen ähnlich sind oder die so sind, wie sie selbst gerne wären. Anpassung ist daher das Zauberwort für professionelle Kommunikation. Erst wenn der Gesprächspartner sich das Vertrauen und die Sympathie seines Gegenübers erarbeitet hat, kann er die Führung übernehmen.
Deshalb heißt die Verhaltensgrundlage Nr. 1 für professionelle Kommunikation: Eigene Annahmen aus den Gedanken verbannen und Offenheit bzw. Verständnis für andere Meinungen und Verhaltensweisen an den Tag legen. Ziel ist es nicht, sich zu verbiegen, sondern sich anzupassen und Gleichheit zu schaffen. Das bedeutet, dem Anderen Wertschätzung entgegen zu bringen und sich in seine Situation hinein zu versetzen.

Signale des Gesprächspartners wahrnehmen
Die optimale Anpassung an den Gesprächspartner ist nur dann möglich, wenn Gesprächspartner A eine ungefähre Vorstellung von den Werten, Normen und Wünschen des B hat. Faustformel für den Zugang zu diesen entscheidenden Informationen ist das sorgfältige Zuhören, Beobachten und Nachfragen bei gleichzeitig gedanklichem Freimachen von Annahmen oder eigenen Werten.

Es geht darum, herauszufinden, welche individuellen Reaktionen der Gegenüber in Bezug auf die im Gespräch vorkommenden Reize zeigt. Damit kann A umso besser deuten, was ein mögliches „Kratzen am Kopf“ oder ein gelegentliches „sich auf die Lippe beißen“ bei B bedeutet.

Eine analytische Wahrnehmung der Äußerungen von B in jeder Form ist die Voraussetzung für eine wirksame Signalerkennung. Möglicherweise bedeutet ein Hochziehen der Augenbrauen bei dem Einen die Bereitschaft zum intensiven Zuhören und beim Andern die Ablehnung einer gerade erwähnten Aussage.

Übung macht den Meister

Eine praktische Übung zum Erkennen und Deuten von nonverbaler Kommunikation kann beispielsweise wie folgt ablaufen:
Fragen Sie Ihren Gesprächspartner nach seiner konkreten Vorstellung vom perfekten Urlaub. Nehmen Sie wahr, wie sich sein Gesichtsausdruck verändert.

Hören Sie genau zu, welche Worte er wählt, wie sich seine Stimme anhört, wie er gestikuliert und welche körperlichen Zeichen Sie noch entdecken können. Bereits kleinste Veränderungen geben Ihnen ohne verbale Aussagen Aufschluss darüber, wie der Kunde sich gibt, wenn er zufrieden und in einem positiven gedanklichen Zustand ist.

Ihre Aufgabe ist es, diesen Zustand aufrecht zu erhalten. Sie können diese Stimmung durch Angleichung an die spezifischen Bewegungen des Gesprächspartners mit dessen individueller Art sich auszudrücken verstärken. Sollte sich im Verlauf des weiteren Gespräches eine nonverbal wahrnehmbare Stimmungsverschlechterung beim Gegenüber einstellen, dann ist das ein deutliches Zeichen für Sie, Ihre Strategie zu ändern.

Es gibt verschiedene praktische Möglichkeiten, um die eigene nonverbale Wirkung auf andere zu überprüfen. Die wohl wirksamste Methode ist die Aufzeichnung von Gesprächssituationen auf Video.
Die Technik dafür muss nicht zwingend aufwendig oder teuer sein. Da es sich um nonverbale Kommunikation handelt, ist das Mitschneiden des Tons nicht notwendig.

Resumè
Fakt ist: Die Qualität unseres Lebens wird bestimmt durch die Qualität unserer Kommunikation. Schon Aristoteles hat gesagt: „Wem es gelingt, den Schlüssel zur Körpersprache zu finden, für den ist der Mensch ein offenes Buch“.

Doch der Weg zur Perfektion in der Kommunikation ist lang und steinig. Kommunikation ist facettenreich und subjektiv.
Geheimrezepte für erfolgreiches Handeln gibt es nicht. Aber es gibt Regeln, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden können.

Wenn Sie die folgenden drei Grundregeln der Kommunikation verinnerlichen und für jede Lebens- und Business-Situation anwenden, dann werden Sie effektiver als die meisten Ihrer

Mitmenschen kommunizieren:

Machen Sie sich frei von eigenen Annahmen, denn jeder Mensch ist anders.
Konzentrieren Sie sich voll auf Ihr Gegenüber und sammeln Sie so viele Informationen wie möglich – mit allen Sinnen.
Passen Sie sich an, um Nähe, Sympathie und Vertrauen zu schaffen.
Und denken Sie daran: Alles was Sie tun, ist Kommunikation.

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